VERSANDUNG


Kaum noch Wasser in Alter Elbe in Magdeburg: Kanusportler und Co. wünschen sich Lösung

In der Alten Elbe in Magdeburg herrscht oberhalb des Cracauer Wehres weitgehend Ebbe. Kanusportler und andere Anrainer wünschen sich eine nachhaltige Lösung.

Mitglieder vom Magdeburger Kanu-Klub Börde schaufelten sich in der Alten Elbe eine kleine Fahrrine,
damit sie mit ihren Booten zumindest bis zur Stromelbe gelangen können.
Foto: Ivar Lüthe

Magdeburg - SOS von der Alten Elbe in Magdeburg: Wassersportler oberhalb des Cracauer Wehres liegen erneut auf dem Trockenen. Kanuten mussten schon zu Schippen greifen, um sich eine kleine Fahrrinne im Elbkies zu schaffen. Sie und andere Anrainer wünschen sich eine Lösung des Versandungsproblems.
Sie sitzen schon wieder weitgehend auf dem Trockenen: die Wassersportler vom Kanu-Klub Börde nahe dem Cracauer Wehr. „Die Alte Elbe versandet immer mehr. Das Problem hat sich grundsätzlich nicht geändert“, sagt Christian Wendt, der stellvertretende Vorsitzende des Kanu-Klubs.
 

Damit die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen momentan überhaupt ihren Sport betreiben können, mussten sie jetzt zu Schippen greifen. Sie legten eine kleine Fahrrinne an, damit sie zur Stromelbe gelangen können. Doch das wird gewiss nicht lange halten. Erneut planen sie in Abstimmung mit den zuständigen Behörden einen Baggereinsatz, um eine ordentliche Fahrrinne zu schaffen. Schon seit Jahren müssen sie immer wieder auf eigene Kosten zu solch einer Aktion greifen. Das geht ins Geld und ist jedes Mal eine Herausforderung.
 „Wir brauchen Zugang zur Stromelbe, ansonsten ist an Training nicht mehr zu denken“, sagt Christian Wendt. 170 Mitglieder zählt der Klub. „Wir wünschen uns eine nachhaltige Lösung des Problems. Die Stadt ist unsere Hoffnung, dass gemeinsam mit den anderen beteiligten Institutionen ein Weg gefunden wird.“
Biber-Kanutouristik kämpft auch mit der Versandung der Alten Elbe
Das Problem ist lange bekannt. Doch bisher fand sich keine Lösung. Die Alte Elbe oberhalb des Cracauer Wehres unterliegt als Bundeswasserstraße der Unterhaltung durch die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung. Da in der Alten Elbe keine Berufsschifffahrt stattfindet, war bisher keine Notwendigkeit gegeben, die Schiffbarkeit wiederherzustellen.
Für den Hochwasserschutz ist in diesem Bereich das Land zuständig. Vonseiten des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft ist kein Ausbaggern des Elbsandes, wie es beispielsweise zu DDR-Zeiten geschehen ist, vorgesehen. Das ist teuer und hätte nach Untersuchungen der Technischen Universität Dresden aus dem Jahr 2014 keinen signifikanten Vorteil im Hochwasserfall. Die Stadt ist für die Naturschutzbelange zuständig.

„Wir sind bestrebt, eine Lösung zu finden, die alle Belange betrachtet“, unterstreicht Christian Wendt.
Auf eine Lösung dringt auch Niels Wedler, Inhaber von Biber-Kanutouristik am Seilerweg. „Wir sind als Kanutouristikunternehmen seit 17 Jahren an unserem Standort. In den letzten acht Jahren kämpfen wir permanent mit der Versandung der Alten Elbe. Aktuell ist es für uns nicht mehr möglich, die Drachenboote einzusetzen“, sagt Wedler. „Wir denken, wenn in den nächsten zwei bis drei Jahren hier nichts passiert, werden wir den Standort und damit auch unser Unternehmen aufgeben müssen.“

Der Magdeburger Unternehmer Niels Wedler an seinem Anleger an der Alten Elbe. Im Hintergrund sind die großen Sandablagerungen mitten im Flussbett zu sehen, auf denen mittlerweile schon Büsche wachsen.
Foto: Ivar Lüthe

Die Ursache allen Übels ist für Niels Wedler das Cracauer Wehr. Durch das starre Wehr könne der Sand nicht weggespült werden. Außer bei Hochwasser, wenn es überspült wird. „Ob ein Rückbau des Wehrs dazu führen würde, dass die riesigen Sandmengen durchgespült werden, müssen Experten entscheiden“, meint der Unternehmer. Langfristig gesehen sieht er den Rückbau aber als nötig. Eine kurzfristige Lösung wäre für ihn, dass wenigstens ein Mal im Jahr eine Fahrrinne für die Vereine an der Alten Elbe geschaffen wird.

Umfangreiche Untersuchungen der Alten Elbe in Magdeburg geplant.

Laut Professor Bernd Ettmer vom Institut für Wasserwirtschaft und Ökotechnologie der Hochschule Magdeburg-Stendal haben die Sandablagerungen oberhalb des Cracauer Wehres mittlerweile eine Art Gleichgewicht erreicht. Es werde nicht viel mehr – allerdings auch nicht weniger. Seit mehreren Jahren beobachten Wissenschaftler um Prof. Ettmer bei der Erprobung neuer Messtechniken die Ablagerungen in der Alten Elbe.
Gemeinsam mit der TU Dresden sollen die Magdeburger in den nächsten Jahren umfangreiche Untersuchungen anstellen, um Lösungen zu finden, wie die Ablagerungen vom Fluss am besten weitergetragen werden können. Ob das beispielsweise durch ein bewegliches Wehr oder eine Sohlgleite möglich ist, müsse sich zeigen, so Bernd Ettmer.
Von der Stadt hieß es, dass die Versandung der Alten Elbe ein vielschichtiges Problem sei. Stark wechselnde Pegelstände und die Abhängigkeit vom Pegel der Stromelbe führen immer wieder zu massiven Behinderungen für die Sportbootfahrt auf diesem Gewässer. Auch die sich ändernden klimatischen Bedingungen haben Auswirkungen auf die Alte Elbe. Lösungen könne die Stadtverwaltung nicht anbieten. „Die Alte Elbe ist ein Bundesgewässer und Teil eines großen Flusssystems. Die Landeshauptstadt ist weder zuständig noch in der Lage, eine nachhaltige Lösung für diesen Bereich der Alten Elbe zu entwickeln. Hier ist der Eigentümer gefragt, in diesem Fall der Bund“, hieß es.

[Quelle: Volksstimme vom 10.06.2022 von Ivar Lüthe]

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